Deyle, Georg Friedrich

männlich 1758 - 1827  (69 Jahre)


Angaben zur Person    |    Notizen    |    Quellen    |    Alles    |    PDF

  • Name Deyle, Georg Friedrich 
    Geboren 2 Feb 1758  Fellbach, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    Geschlecht männlich 
    Gestorben Mai 1827  ,,, Rußland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    Personen-Kennung I114733  Zimbelmann
    Zuletzt bearbeitet am 6 Okt 2013 

    Vater Deyle, Johann Georg,   geb. 18 Okt 1720, Fellbach, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. Datum unbekannt 
    Mutter Laiple, Anna Maria,   geb. 7 Dez 1718, Fellbach, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. DECEASED 
    Familien-Kennung F36541  Familienblatt  |  Familientafel

    Familie Stoll, Sabina,   geb. 9 Okt 1772, Rommelshausen, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 30 Nov 1838, Bergdorf, Gebiet Glückstal, Region Odessa, Rußland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 66 Jahre) 
    Verheiratet 3 Feb 1801  Rommelshausen, Rems-Murr-Kreis, Baden-Württemberg, Deutschland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  [1
    Kinder 
    +1. Deyle, Anna Maria,   geb. 3 Mrz 1803, Feldbach,,, Polen Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort,   gest. 3 Mrz 1875, Bergdorf, Gebiet Glückstal, Region Odessa, Rußland Suche alle Personen mit Ereignissen an diesem Ort  (Alter 72 Jahre)
    Familien-Kennung F36527  Familienblatt  |  Familientafel

  • Notizen 
    • Mario Schock:
      Gegenüber der Emigration nach Amerika nahm die pietistische Auswanderung in den Osten einen relativ bescheidenen Umfang ein. Bereits 1801 zieht der Weingärtner Georg Friedrich Deile mit Weib und Kindern nach Preußisch Polen, wohin er sich wie einige andere Mitbürger von der preußischen Gesandtschaft in Stuttgart für das neugegründete Dorf Grömbach, Warschauer Kreisdepartement, als Kolonist hatte anwerben lassen.147-4
      Auch in späteren Jahren, etwa den bewegten 90ern, findet die Gemeinschaft bei sozialen Absteigern wie Georg Friedrich Deile, Bruder der nachmaligen Hahn'schen Leitungsfigur Ulrich Deile, einigen Zuspruch. Der junge Familienvater verschuldete sich in wenigen Jahren dermaßen, daß er sich aus Furcht vor der Vergantung 1801 mitsamt der Familie nach Preußisch Polen absetzen muß. Deiles Befürchtungen waren nicht unberechtigt. 1803 wird tatsächlich das Ganturteil über das Vermögen des späteren Gemeinschaftsgliedes verhängt.
      Paradigmatisch für die "jüdische" Doppelmoral des pietistischen Wirtschaftsverhaltens ist der Fall Georg Friedrich Deiles, der sich angesichts drohender Vergantung 1801 nach Polen absetzte. Außer den hohen Schulden hatte Deile noch ein weiteres Motiv, seinem Geburtsort den Rücken zu kehren. Zum Jahreswechsel 1800/01 begeht der Familienvater unter Zuhilfenahme von gefälschten Attestaten ein Betrugsdelikt, wobei er das Opfer finanziell so stark schädigt, daß es nur eine Frage der Zeit zu sein schien, bis der Geschädigte den Fall den Strafverfolgungsbehörden übergeben würde.
      Zu spät war dieser, Quartiermeister Höllwarth aus Ossweil bei Ludwigsburg, auf die Gaunerei aufmerksam geworden und erfährt erst im Nachhinein, der Deile sei in der Gegend längst und allgemein als "Lump" bekannt gewesen. In zwei an den Fellbacher Amtmann gerichteten Schreiben erklärt der alte Mann seine Gutgläubigkeit und Nachlässigkeit mit dem Umstand, der Gemeinschaftsmann habe seinen "Schurkenstreich" unter dem "Schein eines Pietisten oder eines Heuchlers" begangen und ihn so hinters Licht geführt. Erhellend erscheint in diesem Zusammenhang die Schilderung der Verhandlungspraxis, der sich Deile gegenüber seinem (späteren) Opfer bediente. Im Sinne der Durchsetzung seines Anliegens bemühte sich der Pietist, meist in Begleitung anderer, vor allem der ganzen (verarmten) Familie, bei Höllwarth in Ossweil förmlich einzufallen. Daß man sich dabei auch tagelang an Küche und Keller des Quartiermeisters schadlos hielt, beleuchtet treffend, wie die Gemeinschaft ihre materiellen Verhältnisse mit der Außenwelt regelte.
      "Sie", erläutert der Brief an den Amtmann, "blieben bei mir über Nacht, und das öffters. Meine Frau gab ihnen Eßen, was das Haus vermocht. Keine Bohne, kein Welschkornbrey , sondern herrliche Knöpfle mit Ajer und dergl. Ich habe die junge Leuthe gesehen mit Lust drein reinhauen, ich habe es ihnen (aufgrund ihrer Armut, H.V.F.) gern gegönnet. . . "
      Der Betrogene glaubt sich durch den ihm beigefügten Schaden und den Spott der Mitbürger am Rande der Verzweiflung, klagt über Appetitlosigkeit, Schlaflosigkeit, Durst, Husten und Kopfweh, was alles bewirke, daß er "nur noch so herumschwiebere. " Höllwarth erklärt dem Amtmann, den Fellbacher Pietisten bei der Wahrnehmung seiner Interessen notfalls ins Zuchthaus zu bringen, so daß Deile also alle Eile hatte, den Amtmann, mit dessen Unterschrift übrigens die gefälschten Bescheinigungen gezeichnet waren, um "Paß und Siegel" zur alsbaldigen Erledigung seiner Ausreiseangelegenheiten beim preußischen Gesandten in Stuttgart zu bitten. 225-1 Ohne noch den amtlichen Bescheid abzuwarten und ohne größere Formalitäten entweicht der Gemeinschaftsmann wenig später aus Württemberg. 225-2
      Deile bleibt nicht lange dort. Aufgrund zahlreicher Schwierigkeiten, nicht zuletzt im Gefolge des napoleonischen Rußland-Feldzuges ,sieht sich der Kolonist gezwungen, abermals den Standort zu wechseln. In der Folgezeit findet er schließlich Aufnahme in der Siedlung Bergdorf bei Odessa in Südrußland, wo er nach einer Nachricht des Sohnes von 1831 im Mai 1827 verstirbt. Wenigstens zeitweise nahmen auch drei andere Fellbacher (Pietisten?), die schon 1804 nach Rußland ausgezogenen Johann Georg Alldinger, Georg Jacob Ebinger und Michael Frey,147-5 ihren Aufenthaltsort in der religiös-politischen Gemeinde. Deren Aufforderung, mit ihnen erneut und weiter nach Grusinien (Deile in einem Brief 1820: "Grußien") zu ziehen, mochte der gealterte Pietist allerdings nicht mehr Folge leisten.148-1
      wird als Siedler in der Liste von der Kolonie Groembach(Lasnowska Wola) im Amt Laznow genannt, bevor er 1808 nach Bergdorf in Russland weiterwandert.
      http://www.odessa3.org/collections/census/link/geser.txt
      "Actum in Cons(ilio) Reg(iminis) 8.8.1805, Nr. 7242: Note des HE Staatsministers Gr(af) v(on) Wintzingeroda Exc(ellenz) um Nach- richt wegen Verabfolgung der von dem Georg Friedrich Deylens Ehweib an ihren Vater Mich. Stoll machenden Forderung, damit ein Pro(tocollum) Mem(orand.) des HE Preuß. Gesandten v(on) Madeweiß beant- wortet werden möge... Votum: Das abschriftl. Pro. Mem. d(atier)t 25.7.1805 wäre per Decr(etum) an das Oberamt Cannstatt zu schicken unter Vernehmung des Mich. Stoll zu Rommelshausen und der dasigen CommunVorsteher, desgl(eichen) mit Beifügung der erforderlichen Urkunden umständlichen Bericht zu erstatten, was es mit dieser Anforderung von 600 fl oder 300 fl für eine Beschaffenheit habe, und zugleich anzuzeigen, ob der Christianen Deylin Erbsportion an den HE Gesanten v. Madeweiß ausgehändigt worden seye." In Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 236 Band 381 heißt es: "Actum 2.9.1805 Nr. 7875, daß in der Deyhlenschen Vermögens-Extraditions-Sache der Pfleger der 2 (!) Kinder des Georg Friedrich, Ulrich Deyhle aus Rommelshausen, dem Kgl. Preuß. Gesandten v. Madeweiß wohl die der Tochter Christiane zustehende Erbsportion auszuzahlen legitimiert war, jedoch unklar sei, ob die Summe von 206 fl 11 kr dieser Tochter allein gehöre oder auch dem gleichfalls hinterlassenen Sohn Georg Friedrich..." (Anm. des Übertragers: In Hauptstaatsarchiv Stuttgart A 8 Büschel 195 hieß es, daß "Weib, 2 Söhne und 1 Tochter" imJahr(e) 1801 als Familienmitglieder mitreisten. Dementsprechend wurden oben 2 Erw. und 3 Kinder vermerkt.)

  • Quellen 
    1. [S165] Mario Schock, Uwe Zimbelmann, (www.de.geneanet.org/profil/schocki/Mario-Schock).