Warschau, Warschau, Warschau, Polen



 

Notizen: Wikipedia 2017:
Warschau (polnisch Warszawa] ist die flächenmäßig größte und zugleich bevölkerungsreichste Stadt sowie seit 1596 die Hauptstadt Polens. Nach der Zahl ihrer Einwohner ist sie die Zehntgrößte der Europäischen Union. Sie liegt beidseitig am Strom der Weichsel (pln. Wisla) in der Woiwodschaft Masowien, hat über 1,7 Mio. Einwohner (2013) und ist Zentrum einer Agglomeration mit Satellitenstädten wie Legionowo, Pruszkow, Grodzisk Mazowiecki, Zyrardow, Wolomin oder Otwock mit rund 3,5 Mio. Einwohnern.
Warschau ist eines der wichtigsten Verkehrs-, Wirtschafts- und Handelszentren Mittel- und Osteuropas und zugleich von großer politischer und kultureller Bedeutung. In der Stadt befinden sich zahlreiche Universitäten, Theater, Museen und Baudenkmäler. Das Stadtgebiet Warschaus gliedert sich in insgesamt 18 Stadtbezirke, unter denen Srodmiescie (dt. Stadtmitte) die eigentliche Innenstadt ausmacht und das UNESCO-Welterbe der wiederaufgebauten Warschauer Altstadt beherbergt.
Geschichte:
Warschau wurde erstmals 1241 in der lateinischen Ausfertigungsformel einer Schenkungsurkunde erwähnt (actum et datum Varschevie, also „verfügt und ausgegeben zu Warschau“), aus dem späteren Mittelalter überlieferte Namensformen sind unter anderem Warseuiensis (1321, lateinisches Adjektiv), Varschewia (1342) und Warschouia (1482).
Die Etymologie des Toponyms ist ungeklärt. Am gängigsten ist die unter anderem von Aleksander Brückner favorisierte Hypothese, dass der Name der Stadt auf die Genitivform des Eigennamens Warsz zurückgeht und folglich so viel wie „[Dorf/Gut] des Warsz“ bedeutet; allerdings ist dieser Vorname seinerseits kaum belegt und in seiner Herleitung unsicher, möglicherweise handelt es sich um eine Kurzform von Warcislaw. Der mutmaßliche Eigentümer und Namensgeber der Siedlung dürfte im Bereich der heutigen Stadtviertel Solec und Mariensztat begütert gewesen sein und mag ein Angehöriger des Adelsgeschlechts der Rawa oder Rawicz gewesen sein.
Andere Autoren vermuten einen baltischen Ursprung des Namens, wobei sich eine ganze Reihe Etyma zum Vergleich anbieten, etwa das Adjektiv virs-i’n- „oberer“ (vgl. litauisch virsus „Höhe, Spitze, Gipfel“); Simas Karaliunas' zufolge geht Warszawa vielmehr auf ein litauisches Apvarsuva zurück, das so viel wie „Ort, mit Gastungspflicht [gegenüber dem visitierenden König]“ bedeuten (vgl. litauisch apvaisinti, „alle bewirten“) und auch den Namen des königlichen Guts Opvoisovo bei Paj?ris in Tauroggen ergeben haben soll.
Die erste befestigte Siedlung auf dem Gebiet des heutigen Warschau war das Stare Brodno im 9. Jahrhundert. Hier befanden sich eine Wallburg und ein Dorf. Diese Siedlung wurde Ende des 11. Jahrhunderts aufgegeben. Eine neue befestigte Anlage entstand im 12. Jahrhundert in Jazdów auf dem Weichselkliff am linksseitigen Weichselufer. Diese kleine Anlage war einer der Sitze der masowischen Herzöge. Es wird vermutet, dass sie in der Gegend des heutigen Ujazdowski-Schlosses lag und 1262 von den Litauern unter Mindaugas zerstört wurde. In der Nähe wurden weitere kleinere Ansiedlungen in Kamion, Goclaw und Solec angelegt. Sie alle lagen im von westslawischen Stämmen besiedelten Gebiet Masowien, das im 10. Jahrhundert von dem polnischen Herzog Mieszko I. aus der Dynastie der Piasten erobert wurde. Die wichtigste Stadt in Masowien war zu jener Zeit das ca. 100 Kilometer weichselabwärts gelegene P?ock, das im 11. Jahrhundert für kurze Zeit die Hauptstadt Polens unter Wladyslaw I. Herman war. Nach dem Tod von Boleslaw III. Schiefmund wurde in Polen die Senioratsverfassung eingeführt, welche das Staatsgebiet unter den Söhnen Boleslaw III. Schiefmunds aufteilte und der jeweils Älteste das Seniorat über die Juniorherzöge hatte. Masowien wurde an dessen zweitältesten Sohn übergebe. Seit 1146 wurde Senior Boles?aw IV., der die Linie der masowischen Piasten begründete und das Land von Plock aus regierte, Herr über diese Ländereien.
Die Aufteilung Polens in Senioratsherzogtümer 1188 schwächte das ganze Land, was zu zahlreichen Einfällen der Ruthenen und Litauer in Masowien führte. Daraufhin wurde der Handelsweg, der vom Schwarzen Meer bis zur Ostsee verlief, vom westlichen Bug auf das linke Weichselufer verlegt. Dies führte zu einer wirtschaftlichen Blüte der Warschauer Siedlung Jazdow, in der die masowischen Herzöge eine ihrer Burgen errichteten. Jazdow wurde jedoch 1262 von den Litauern zerstört, sodass die Bewohner ihre Siedlung drei Kilometer weiter nördlich auf dem Gebiet der heutigen Warschauer Altstadt errichteten. Der Herzog von Masowien Boleslaw II. Mazowiecki gab die Burg in Jazdow (heute befindet sich dort das Ujazdowski-Schloss) ebenfalls auf und errichtete ein Schloss innerhalb der Altstadt (das heutige Warschauer Königsschloss). Sein Hauptsitz blieb aber P?ock. Zwischen 1281 und 1321 wurde Warschau urkundlich öfters erwähnt. Die Lokationsurkunde ist aber nicht mehr erhalten. Im Jahr 1334 verlieh Trojden I. Warschau das Kulmer Stadtrecht und viele Kaufleute aus Thorn siedelten sich in der Stadt an. 1339 fand in Warschau ein bedeutender Rechtsstreit zwischen Kasimir III. von Polen und dem Deutschen Orden statt. Im Jahr 1356 wurde durch Siemowit III. das erste Kloster des Augustiner-Ordens in Warschau gegründet. Zu dieser Zeit entstanden die meisten Gebäude in der Altstadt, allen voran die gotische Johanneskathedrale und das Schloss der masowischen Herzöge, das spätere Königsschloss.
Mit der Wiedervereinigung Polens durch König Wladyslaw I. Ellenlang 1320 wurde die Senioratsverfassung aufgehoben. Gleichwohl gehörte Masowien zu diesem Zeitpunkt nicht zu Polen, wurde jedoch um die Mitte des 14. Jahrhunderts polnisches Lehen. Es zerfiel weiter in die Einzelherzogtümer Plock, Rawa und Czersk. Warschau gehörte zu letzterem. Die Warschauer Altstadt wurde 1350 mit einem ersten und 1380 mit einem weiteren Mauerring umgeben. Um 1380 entstand nördlich der Altstadt ebenfalls am Weichselufer die Warschauer Neustadt, die 1408 das Kulmer Stadtrecht erhielt. Janusz I. Starszy verlegte 1413 die Hauptstadt des masowischen Herzogtums Czersk von Czersk nach Warschau. Nach der polnisch-litauischen Union von 1386 entwickelte sich Warschau dank der zentralen Lage zwischen den beiden Hauptstädten Krakau und Wilna sehr schnell. Insbesondere die Regierungszeit von Fürst Janusz I. von 1374 bis 1429 war eine erste Blütezeit Warschaus. Aus dieser Zeit sind mehrere gotische Gebäude und Kirchen in der Alt- und Neustadt erhalten geblieben, unter anderem das Portal des Bürgerhauses am Marktplatz der Altstadt mit der Hausnummer 21. 1454 wurden zur Regierungszeit von Boleslaw IV. die St.-Anna-Kirche und das Bernhardinerkloster südlich des Krakauer Tors erbaut. Im Jahr 1469 bestätigten die masowischen Fürsten die Privilegien der jüdischen Gemeinde, die seit dem Anfang des 14. Jahrhunderts in Warschau existierte. Mit dem Aussterben der jeweiligen Piastenherzöge kamen Rawa im Jahr 1462, P?ock 1496 und Czersk-Warschau 1526 direkt an Polen, wobei die letzten masowischen Fürsten wahrscheinlich 1524 (Stanislaus I.) und 1526 (Janusz III.) auf Geheiß der polnischen Königin Bona Sforza vergiftet wurden. Beide sind neben ihrem Lehrer Stanislaus aus Strzelec in der Johanneskathedrale bestattet. Die prächtigen Renaissancegrabplatten der beiden Fürsten und des Kanonikers wurden von ihrer Schwester Fürstin Anna Odrowaz gestiftet. Nach ihr ist auch die St.-Anna-Kirche benannt, da sie das Bernhardinerkloster großzügig unterstützte.
Mit dem Anschluss an Polen erhielt das Warschauer Bürgertum von Sigismund I. viele Handelsprivilegien, die die Entwicklung der Stadt beschleunigten. Mit der Wiedererlangung Danzigs und des Weichseldeltas 1466 durch Polen wurde die Weichsel der wichtigste polnische Handelsweg für den Export und Import nach und aus Westeuropa. Das an der Weichsel gelegene Warschau profitierte wirtschaftlich sehr davon. Nach dem Tod Sigismunds I. verlegte seine Witwe Bona Sforza 1548 ihren Hof vom Krakauer Wawel ins Schloss Ujazdowski in Warschau. Ihr Sohn Sigismund II. August regierte Polen-Litauen jedoch weiterhin von Krakau aus, obwohl er immer öfter in Warschau zu Gast war. 1569 und 1573 wurde in der Union von Lublin bzw. den Articuli Henriciani festgelegt, dass das polnische Parlament Sejm in Warschau tagen und die Königswahl in Kamion bzw. Wola vor den Toren Warschaus stattfinden sollte. So wurden in Kamion Heinrich von Valois 1573 und in Wola 1574 Stephan Báthory und 1587 Sigismund III. Wasa zu polnisch-litauischen Königen gewählt. Auch die Abnahme des Lehnseides der preußischen Herzöge wurde seit Stephan Bathory vor der St.-Anna-Kirche in Warschau statt auf dem Krakauer Marktplatz vollzogen. Nach dem Brand des Krakauer Wawels 1596 entschloss sich Sigismund III. Wasa aus dem schwedischen Hause Wasa die Residenz der polnischen Könige nach Warschau zu verlegen, weil er zugleich König von Schweden war und Ambitionen auf den Moskauer Zarenthron hegte. Der etappenweise Umzug ging einher mit dem Ausbau des Sitzes der masowischen Herzöge zum polnischen Königsschloss ab 1598 durch italienische Baumeister. Nach der Rückkehr vom erfolgreichen Feldzug nach Moskau 1611 blieb Sigismund III. Wasa endgültig in Warschau. Gleichwohl blieb Krakau rechtlich weiterhin Hauptstadt, da es keinen Rechtsakt gab, der den Umzug legalisieren würde. Warschau stand bis 1795 nur der Titel des Königssitzes zu. Mit der Erlangung der Rolle der Hauptstadt begann für Warschau eine Blütezeit im Frühbarock unter der Dynastie der Wasas, die bis zur Zerstörung der Stadt durch die Schweden 1655 andauerte. Nach dem Brand der Altstadt 1607 wurde diese im manieristischen Stil wieder aufgebaut. Warschau wuchs im 16. Jahrhundert weit über die mittelalterlichen Stadtmauern der Alt- und Neustadt hinaus und hatte über 50.000 Einwohner. Es entstanden neue Stadtviertel beiderseits der Weichsel. 1568 bis 1573 entstand die erste über 500 m lange Weichselbrücke auf 18 Pfeilern. Es war eine der längsten Brücken im damaligen Europa. Im Jahr 1648 erhielt Praga, der Stadtteil auf dem rechten Weichselufer, die Stadtrechte. Andere Stadtviertel (Jurydyka) waren Privateigentum einzelner Magnaten, reicher Adeliger (Szlachta), Geistlicher und Klöster. Sie waren von der städtischen Gerichtsbarkeit ausgenommen. Sie entstanden zahlreich um die neuen frühbarocken Paläste des Adels, der die Nähe zum Königshof suchend von Krakau herzog. Die Magnaten stifteten auch zahlreiche frühbarocke Kirchen und Klöster. 1597 kamen beispielsweise die Jesuiten nach Warschau. Sigismund III. Wasa ließ das Königsschloss das Schloss Ujazdowski und den Kazimierz-Palast im frühbarocken Stil um- und ausbauen. Entlang der Krakauer Vorstadt entstanden am Königsweg prachtvolle Paläste des Adels wie der Koniecpolski-Palast, der Potocki-Palast oder der Krasicki-Palast. Als eines der luxuriösesten Palais Europas galt der 1641 errichtete Ossolinski-Palast. 1637 eröffnete W?adyslaw IV. das erste dauerhafte Theater im Königsschloss. Für seinen 1632 verstorbenen Vater Sigismund III. Wasa ließ er 1643 auf dem Schlossplatz die Sigismundssäule errichten, das erste profane Denkmal Warschaus. Ab 1661 erschien in Warschau die erste polnische Tageszeitung, der „Polnische Merkur“. In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts war Warschau eines der führenden Zentren der frühen Neuzeit in Europa. In den Jahren 1655–1657, während des Zweiten Nordischen Krieges, wurde Warschau von den Schweden, Brandenburgern und Siebenbürgern zerstört. Die reichen Paläste wurden ausgeraubt und niedergebrannt und die geplünderten Kunstschätze und Bücherbestände nach Schweden verschifft. Die Verwüstungen waren so groß, dass diese Jahre als die Schwedische Sintflut in die Geschichte der Stadt eingingen und der 23. Juni als Festtag zur Erinnerung an den Rückzug der feindlichen Truppen 1657 begangen wurde. Aus der Wasa-Zeit sind gleichwohl wertvolle frühbarocke Baudenkmäler erhalten geblieben oder rekonstruiert worden, wie beispielsweise das Königsschloss, das Schloss Ujazdowski, die Jesuitenkirche und die Dominikanerkirche sowie der Gianotti-Palast in der Altstadt. Die Wasa-Zeit endete 1668 endgültig mit der Abdankung von Johann II. Kasimir.
Eine erneute Blütezeit begann für Warschau unter der Herrschaft Jan Sobieskis ab 1673, der vor allem als großzügiger Mäzen und Kunstliebhaber die südlichen Stadtteile ausbauen ließ. Er folgte dem nur fünf Jahre in Warschau regierenden Michael I. Korybut Wisniowiecki. Ab 1677 baute Sobieski den Wilanow-Palast an dem nach Süden verlängerten Königsweg im Versailler Stil mit einem großen französischen Garten. 1687 stiftete er ebenfalls im Süden Warschaus die Antoni-Padewski-Kirche als Votum für den Sieg bei Wien 1683. Sobieski holte zwei der genialsten europäischen Baumeister des Hochbarock nach Warschau, Tylman van Gameren und Andreas Schlüter, sowie zahlreiche Künstler, unter denen vor allem Jan Reisner zu erwähnen ist. Sobieskis Ehefrau Marysienka baute ab 1692 eines der damals weltweit größten Handelszentren, das Marywil, an dessen Stelle sich heute das Große Theater und der Theaterplatz befinden. In dieser Zeit entstanden unter der Anleitung von Tylman van Gameren auch der Krasinski-Palast, das Ostrogski-Palast, die Sakramentinnenkirche, die Kapuzinerkirche und die Karmeliterkirche. Für Marysienka wurde außerhalb der Stadt auch das Palais Marymont errichtet, heute ein dicht besiedelter Wohndistrikt Warschaus.
Nach dem Tod von Sobieski 1696 und der Wahl Augusts II. 1697 begann die Sachsenzeit. Diese Zeit der sächsischen Könige begann für Warschau sehr unglücklich mit dem Großen Nordischen Krieg ab 1702. Während dieses Krieges und des später folgenden Polnischen Thronfolgekriegs ab 1734 wurde Warschau erneut von schwedischen bzw. russischen Truppen besetzt und zerstört. Zuletzt verflocht August III. Polen in den Siebenjährigen Krieg ab 1756. In der sächsischen Zeit unter August II. und August III. wurde ab 1713 die Sächsische Achse mit dem Sächsischen Palais, dem Brühlschen Palais und dem Sächsischen Park senkrecht zum Königsweg geschaffen. 1726 wurde der Sächsische Park für die Öffentlichkeit geöffnet. 1740 entstand das Collegium Nobilium, eine Aristokratenschule der Piaristen, aus der die Warschauer Universität hervorgehen sollte. 1748 wurde die Warschauer Oper eröffnet. Auch die Palais an der Senatorska- und der Miodowa-Straße (z. B. das von Ephraim Schröger erbaute Palais Lelewel) gehen auf die Sachsenzeit zurück. Die Wettiner holten hervorragende Dresdner Baumeister und Künstler, wie Johann Georg Plersch und Johann Sigmund Deybel, und die Mode für Meissner Porzellan an den Warschauer Hof. Diese gestalteten Warschau im Stil des Spätbarock und Rokoko um. 1732 führte August II. eine der größten Militärparaden auf den Czerniakow-Feldern vor Warschau zu Ehren seiner Tochter Anna Orzelska, für die er auch das Blaue Palais errichten ließ, durch. Aufgrund der großen Verwüstungen in den zahlreichen Kriegen ging die Sachsenzeit dennoch als eine der schwärzesten Perioden in die Warschauer Geschichte ein.
Zur erneuten Blütezeit kam es während der polnischen Aufklärung unter Stanislaus August Poniatowski ab 1764, der viele Warschauer Gebäude im klassizistischen Stil umbauen bzw. errichten ließ. Unter seiner Herrschaft wurde Warschau zu einem der bedeutendsten Zentren der Aufklärung und des Klassizismus in Europa. Er verlängerte den Königsweg südlich der Krakauer Vorstadt um die Neue Welt und gründete dort neue „Jurydykas“. Südlich des Schlosses Ujazdowski ließ er den ?azienki-Komplex mit vielen Gärten und Schlössern erbauen. Zahlreiche Paläste aus der Stanislaus-Zeit finden sich auch an der D?uga- und der Senatorska-Straße. Unter seiner Zeit hatte Warschau mehr als 150.000 Einwohner und war damit eine der größten Städte in Europa. Er begann seine Regierungszeit sehr ambitioniert. Bereits im ersten Regierungsjahr 1765 gründete er die Ritterschule, die Münzerei und das Große Nationale Theater in Warschau unter der Regie von Wojciech Bogus?awski. Seit 1770 wurde die Stadt neu geordnet und alle Straßen erhielten Straßennamen und Hausnummern. Ab 1772 wurde der ?azienki-Komplex umgebaut. Ab 1776 wurde die Altstadt durch eine weitere Weichselbrücke mit dem rechts der Weichsel gelegenen Stadtteil Praga verbunden. Ab 1773 hatte das erste Bildungsministerium der Welt, die Kommission für Nationale Erziehung, ihren Sitz in Warschau und zwischen 1788 und 1792 tagte im Warschauer Königsschloss der Große Sejm, der am 3. Mai 1791 die erste moderne Verfassung Europas verabschiedete. Dem war 1789 die sogenannte Schwarze Prozession vorausgegangen, in der die Städte mehr politische Mitspracherechte verlangten. Sie führte schließlich zur Einbeziehung der Stadtverfassung vom 20. April 1791 in die Verfassung vom 3. Mai 1791. Für Warschau hatte dies unter anderem zur Folge, dass die Jurydykas aufgehoben und dass eine einheitliche Stadtverwaltung eingeführt wurde. Daher ist auch der 21. April (der Tag, an dem Warschau die Städteverfassung ratifizierte) der Stadtfeiertag. Die Verfassung vom 3. Mai 1791 hatte zur Folge, dass russische und preußische Truppen 1792 Polen besetzten und das Land 1793 zum zweiten Mal geteilt wurde. Bei einem zunächst erfolgreichen Aufstand in Warschau im April 1794 unter der Führung des Schustermeisters Jan Kilinskis innerhalb des ganzpolnischen Kosciuszko-Aufstandes, an dem die ganze Bevölkerung Warschaus regen Anteil nahm, wurde die russische Garnison vernichtet und mehr als 4000 russische Soldaten und Zivilisten getötet. Die russischen Truppen Suworows veranstalteten 1794 nach der Schlacht bei Warschau als Rache ein Massaker unter der Bevölkerung des rechtsufrigen Stadtteils Praga. Dabei kamen mehr als zehntausend Zivilisten ums Leben. 1795 wurde Polen zum dritten Mal geteilt. Nach der Abdankung Stanis?aw August Poniatowskis, der 1798 in Grodno verstarb, wurde Warschau 1796 von preußischen Truppen besetzt und für 11 Jahre Sitz der neuen preußischen Provinz Südpreußen, die Warschau, Posen und Kalisz umfasste. Die Bevölkerungszahl sank rapide auf 115.000 Einwohner 1806 und die wirtschaftliche Lage verschlechterte sich. 1800 gründete Stanis?aw Staszic die Polnische Akademie der Wissenschaften (Polska Akademia Nauk) in Warschau, die bis heute ihren Sitz im Staszic-Palast an der Krakauer Vorstadt hat.
Nach dem Frieden von Tilsit wurde 1807 aus den beiden preußischen Teilungsgebieten von 1793 und 1795 – mit Ausnahme von Danzig – das Herzogtum Warschau mit Warschau als Hauptstadt gebildet. 1807 erhielt es eine neue liberale Verfassung und der polnische Sejm wurde nach zwölf Jahren Unterbrechung wieder in Warschau einberufen. Im selben Jahr trat ein der polnischen Rechtstradition angepasster Code Napoléon (Code civil) in Kraft, eines der ersten zusammengefassten Zivilrechtsbücher Europas. Als Grundlage für den 1964 erlassenen Kodeks Cywilny prägt der Code Civil bis heute die polnische Zivilrechtsordnung. Der Neffe des letzten polnischen Königs, General Jozef Antoni Poniatowski, baute die polnische Armee in Warschau wieder auf, die bald schon 200.000 Mann zählte. Im Fünften Koalitionskrieg wurde das Herzogtum von Österreich angegriffen. Anfänglich unterlegen, konnte das Herzogtum sich gegen die Habsburger behaupten und erhielt im Frieden von Schönbrunn mit Westgalizien und Krakau die Gebiete, die bei der Dritten Polnischen Teilung an Österreich gefallen waren. Truppen des Herzogtums beteiligten sich 1812 am Russlandfeldzug Napoleons sowie im Jahr darauf an der Völkerschlacht bei Leipzig, in der Józef Poniatowski den Tod in der Weißen Elster fand. Er wurde danach in der Wawel-Kathedrale in Krakau feierlich als Nationalheld bestattet. Poniatowski wurde zur Symbolfigur des Herzogtum Warschaus, obwohl er nicht Herzog war, sondern nur der Oberbefehlshaber der Armee. Die Warschauer gaben ihm bereits Anfang des 19. Jahrhunderts ein Denkmal in Auftrag, das vom berühmten dänischen Bildhauer des Klassizismus Bertel Thorvaldsen angefertigt wurde. Im Zuge der Neuordnung Europas 1814/15 durch den Wiener Kongress wurde das Herzogtum Warschau aufgehoben.
Nach dem Wiener Kongress wurde Warschau die Hauptstadt des Königreiches Polen (Kongresspolen), das vom russischen Zaren in Personalunion mit Russland regiert wurde. Es erhielt 1817 eine relativ liberale Verfassung, und der polnische Sejm in Warschau hatte weitgehende Befugnisse. Die Exekutivmacht lag beim Statthalter Großfürst Konstantin, dem Bruder des Zaren Alexander I.
1816 wurde auf Grundlage des Collegium Nobilium von 1740 die Warschauer Universität, ein Jahr später die Warschauer Wertpapierbörse als erste moderne polnische Wertpapierbörse (1818 wurde eine Wertpapierbörse in Krakau errichtet) gegründet. Bereits seit dem 17. Jahrhundert ist der börsenmäßige Handel mit Wertpapieren (vor allem Wechsel) in Warschau belegt. Auch in anderen polnischen Handelsstädten (Danzig, Krakau, Posen, Lemberg etc.) bestand unregelmäßiger Börsenhandel seit dem Mittelalter, der von niederländischen und italienischen Kaufleuten nach Polen gebracht wurde. Doch die erste Börse mit einer öffentlich-rechtlichen Börsenordnung war die besagte Warschauer Wertpapierbörse von 1817.
In dieser Zeit setzte auch die Industrialisierung in Warschau ein, und die ersten großen Fabriken entstanden in der Stadt. Außerhalb der Tore wurde 1792 der Powazki-Friedhof angelegt, eine der größten und schönsten Nekropolen des 19. Jahrhunderts, und 1825 wurde unter Führung von Antonio Corazzi mit dem Bau des Großen Theaters, des damals größten in Europa, begonnen. Hier spielten unter anderem Helena Modrzejewska und Pola Negri.
In den 1810/20ern lebte und konzertierte der junge Frédéric Chopin in Warschau, der in der Nähe der Stadt in den Gutshof der Familie seiner Mutter ?elazowa Wola geboren wurde. Bereits zu Anfang der 1820er Jahre wurde klar, dass der Zar sich nicht an die Verfassung halten würde und autokratisch über seinen Statthalter zu regieren gedachte. Dies änderte sich auch nach dem Dekabristenaufstand in Russland 1825 nicht.
1830 wurde bekannt, dass der Zar polnische Truppen gegen die Revolutionäre in Belgien einsetzen wollte. So brach am 30. November 1830 mit der Erstürmung des Belvedere-Palastes (Belweder) in Warschau durch Aufständische der Novemberaufstand los. Der Großfürst Konstantin musste nach wenigen Tagen aus der Stadt fliehen, und der polnische Sejm setzte den Zaren als polnischen König ab. Der Aufstand hatte in den ersten Monaten Erfolg, und die russischen Truppen mussten Warschau und das Umland räumen. Nach über einem Jahr Krieg mussten jedoch die Aufständischen kapitulieren. Mit der großen Emigration flohen ca. 30.000 Warschauer und andere Kongresspolen nach Westeuropa und in die Vereinigten Staaten. Zu ihnen gehörten unter anderem Frederic Chopin und Adam Mickiewicz.
1832 wurden die Verfassung und der Sejm aufgehoben, und es begann eine Zeit der politischen Repressalien. Im selben Jahr wurde als Antwort auf den Novemberaufstand nördlich der Neustadt die Zitadelle, die auch ein Gefängnis für politische Gefangene enthielt, errichtet. In der sich anschließenden romantischen Epoche wurde Warschau ausgebaut.
Seit 1840 erreichte die Eisenbahn Warschau, und bald war eine erste Verbindung nach Wien fertiggestellt. Während des Völkerfrühlings 1848 blieb es in Warschau, anders als in den preußischen und österreichischen Teilungsgebieten, relativ ruhig, denn die Verschwörer, die einen gesamtpolnischen Aufstand planten, wurden zuvor verhaftet. In dieser Zeit wurde auch die Textilindustriestadt Lodz etwa 80 km südwestlich von Warschau in Kongresspolen an der Eisenbahnstrecke nach Wien aufgebaut und stieg bald zu einer der führenden Industriemetropolen Europas auf.
Im Januar 1863 brach der Januaraufstand gegen das Zarenregime los. In einem Partisanenkrieg konnten die Warschauer zwei Jahre lang Widerstand leisten, bis sie Ende 1864 aufgeben mussten. Das Königreich Polen wurde endgültig aufgelöst und Russland einverleibt. Somit wurde Warschau nach Moskau und St. Petersburg die drittgrößte Stadt im Zarenreich. Der Wegfall der Zollgrenze zu Russland brachte einen rasanten Wirtschaftsaufschwung, der bis zum Ersten Weltkrieg andauerte.
Das wirtschaftliche Zentrum der Stadt verlagerte sich vom Königsweg auf die westlich von ihm gelegene prächtige Marsza?kowska-Straße. 1866 fuhr die erste von Pferden gezogene und 1908 die erste elektrische Straßenbahn in Warschau. Hier entstanden zahlreiche repräsentative Miets- und Handelsgebäude sowie Kultureinrichtungen im Stil des Historismus, der Sezession und des Eklektizismus.
Nach den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs ist dieser Teil der Stadtgeschichte vollständig verloren gegangen. Reste der historischen Bebauung des 19. Jahrhunderts findet man in der Lwowska-Straße und teilweise in den Ujazdow- und Jerusalemer-Alleen.
Ab 1881 wurde ein modernes Kanalisationssystem gebaut. Ende des 19. Jahrhunderts entstanden die beiden Fortgürtel der Warschauer Festung. 1900 errichtete man das prächtige Gebäude der Warschauer Philharmonie im Jugendstil, in der in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts Ignacy Paderewski und Jan Kiepura auftraten. 1867 wurde die doppelte und erste weibliche Nobelpreisträgerin Marie Sklodowska-Curie in der Neustadt geboren. Der Zeit des Warschauer Positivismus hat vor allem der Schriftsteller Boleslaw Prus in seinen dem Realismus treuen Romanen ein Denkmal gesetzt. Allen voran ist hier der Roman „Lalka“ zu nennen, in dem Prus den Werdegang und den Fall eines Warschauer Unternehmers beschreibt. Ein anderer Vertreter des Warschauer Positivismus, Henryk Sienkiewicz, erhielt 1905 den Literaturnobelpreis. Er wurde später in einer Krypta der Warschauer Kathedrale bestattet. Auch Teodor Jozef Korzeniowski (Pseudonym Joseph Conrad) wohnte im 19. Jahrhundert in Warschau (Nowy ?wiat 47). Im selben Jahr fand als Reaktion auf den verlorenen Krieg Russlands gegen Japan und den Blutsonntag in St. Petersburg eine kurze sozialistische Erhebung statt, die von Rosa Luxemburg, die aus einer jüdischen Familie in Zamosc (südliches Kongresspolen) stammte und in Warschau aufgewachsen war, mitorganisiert wurde. Um die Jahrhundertwende waren 36 % der Warschauer Wohnbevölkerung Juden. 1909 waren 36,9 % Juden, 2,4 % Protestanten und 0,4 % Mariaviten. Ein Jahr nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Warschau von deutschen Truppen besetzt. Ein vorläufiger Regierungsrat eines von Deutschland und Österreich abhängigen Satellitenstaates wurde in Warschau eingesetzt. Im selben Jahr wurde die Warschauer Universität wiedereröffnet. Nach der Oktoberrevolution in Russland musste dieses im Friedensvertrag von Brest-Litowsk auf die Gebiete aus den Teilungen Polens im 18. Jahrhundert verzichten.

Geographische Breite: 52.2296756, Geographische Länge: 21.012228700000037


Geburt

Treffer 1 bis 9 von 9

   Nachname, Taufnamen    Geburt    Personen-Kennung 
1 Huft, Salomea  3 Nov 1802Warschau, Warschau, Warschau, Polen I65389
2 Knodel, Katharine  1809Warschau, Warschau, Warschau, Polen I144434
3 König, Johann  1803Warschau, Warschau, Warschau, Polen I179053
4 Korolina, Konrad  um 1809Warschau, Warschau, Warschau, Polen I79590
5 Küst, Rosina  12 Jan 1810Warschau, Warschau, Warschau, Polen I146328
6 Martsch, Christian  1813Warschau, Warschau, Warschau, Polen I121396
7 Martsch, Daniel  geschätzt 1883Warschau, Warschau, Warschau, Polen I121397
8 Vogel, Alexander  30 Okt 1864Warschau, Warschau, Warschau, Polen I161989
9 Wutzke, Dorothea  1793Warschau, Warschau, Warschau, Polen I146463

Gestorben

Treffer 1 bis 1 von 1

   Nachname, Taufnamen    Gestorben    Personen-Kennung 
1 Schlaht, Jacob  13 Mai 1911Warschau, Warschau, Warschau, Polen I44799