Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland



 


Notizen: Wikipedia 2017:
Neckargartach ist ein Stadtteil der Stadt Heilbronn. Die vorher selbstständige Gemeinde wurde 1938 nach Heilbronn eingemeindet und befindet sich im Nordwesten des Heilbronner Stadtkerns. Der Name Neckargartach ergibt sich daraus, dass der Fluss Lein, der früher Gartach genannt wurde, in Neckargartach in den Neckar mündet.
Geschichte:
Der Ursprung des Ortes Neckargartach liegt im einstigen Ort Böllingen im Leintal, von dem heute nur noch die Böllinger Höfe zeugen, und der vermutlich als alemannische Siedlung um das 4. Jahrhundert angelegt und im Jahr 767 erstmals erwähnt wurde. Gardach war zunächst ein außerhalb von Böllingen liegendes Hofgut, wuchs aber bis ins 9. Jahrhundert zu bedeutenderer Größe als der ursprüngliche Hauptort und gelangte in den Besitz des Klosters Lorsch. Im Jahr 1161 wurde der Ort als „Neccargardacha“ (zur Unterscheidung von Großgartach und Kleingartach) in einer Urkunde Kaiser Barbarossas erwähnt. Der Ortsname leitet sich von seiner Lage an der Einmündung des Leinbachs (der früher Gartach hieß) in den Neckar ab.
Neckargartach war im Mittelalter und zu Anfang der Neuzeit mit Etter und Graben umgeben. Der Ort war durch drei Tore gesichert, wobei eines der drei Tore am nördlichen Ende, das zweite am südlichen Ende der Hauptstraße lag. Das dritte Tor war westlich beim Schafhaus. Eine weitere Befestigung war der nordwestliche Teil Neckargartachs mit Burgkirche, Kirchenterrasse, Pfarrgarten und Pfarrhaus. Die Wehrkirche diente somit auch als sicherer, fester Zufluchtsort.
Neckargartach gelangte im 11. Jahrhundert in Besitz und unter Oberlehensherrschaft des Bistums Worms bzw. des Wormser Stifts, das im Jahr 1323 die Herren von Weinsberg mit dem Dorf belehnte.
Engelhard von Weinsberg und seine Frau Hedwig verkauften das Lehen über Neckargartach im Jahre 1341 um 1200 Pfund Heller als Unterlehen den Heilbronner Patriziern Feurer, Gebwin und Erer, während die Oberlehensherrschaft des Wormser Hochstifts weiterbestand. Die Nutznießung hatte das Bistum Worms schon vorher den Mitgliedern des Heilbronner Patriziats erlaubt. 1361 bekräftigte Bischof Dietrich von Worms die Unterlehensherrschaft des Heilbronner Geschlechter unter den Herren von Weinsberg. 1399 wurde der Ort von württembergischen Truppen niedergebrannt. 1440 kam Neckargartach mit der Herrschaft Weinsberg, an die Pfalz und 1504 ging im Pfälzischen Krieg durch Eroberung die Oberlehensherrschaft über das Dorf auf das Haus Württemberg über, was einen Jahrhunderte währenden Streit zwischen Württemberg und der Reichsstadt Heilbronn auslöste. Neben Heilbronn und dem Haus Württemberg hatten auch die Klöster Billigheim, Hirsau, Lauffen, Odenheim, das Ritterstift St. Peter zu Wimpfen im Tal, das Heilbronner Klarakloster, die Heilbronner Deutschordenskommende, das Heilbronner Spital und noch andere Herren Lehensansprüche oder Höfe in Neckargartach.
Die Stadt Heilbronn ließ das Regiment über ihr Dorf durch einen Vogt ausüben. Der Heilbronner Vogt übte die Gerichtsbarkeit aus, weiterhin hatte er unter anderem das Recht zur Jagd und zur Fischerei in Neckargartach. Die Männer aus der Gemeinde Neckargartach (die Gemeinsmänner) waren dazu verpflichtet, dem Vogt jedes Jahr zu huldigen und ihn in das Kirchengebet einzuschließen. Der eingesetzte Vogt war ab der Mitte des 17. Jahrhunderts stets einer der drei Heilbronner Bürgermeister, der dann einmal im Jahr in Neckargartach das Vogtgericht abhielt, die Rechnungen abhörte, das Gericht und andere Ämter neu besetzte und die neuen Dorfbeamten vereidigte. Der städtische Vogt übte auch das Ruggericht aus. Der Schultheiß Neckargartachs war zuerst mit der niederen Gerichtsbarkeit beauftragt. In der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts gab es in Neckargartach den reisiger Schultheiß, der aufgrund eines Dienstverhältnisses und gegen Entgelt als Schultheiß arbeitete und im Kriegsfall der Stadt (Heilbronn) zu Pferde dienen sollte und seit Mitte des 16. Jahrhunderts als Bauernschultheiß bezeichnet wurde. Dem Neckargartacher Schultheiß stand das Gericht mit zwölf Richtern zur Seite, seit 1658 weitere acht Gemeinsmänner sog. Zwanziger.
Nach der Schlacht bei Wimpfen im Mai 1622 wurde der Ort durch die spanische Armee unter Córdoba, der sein Quartier bei Neckargartach aufgeschlagen, zerstört. Die spanische Armee soll die „scheußlichsten Grausamkeiten“ gegen Frauen und Mädchen ausgeübt, den Ort niedergebrannt und zum Löschen eilende Bewohner getötet haben. 1664 gab es eine große Feuersbrunst und im Jahr 1675 wurde der Ort im Französisch-Niederländischen Krieg von Franzosen erneut niedergebrannt.
Von 1738 bis 1756 gab es einen Aufstand der Neckargartacher gegen die Stadt Heilbronn. Die Einwohner lehnten sich gegen eine Neuordnung der Leibeigenschaft auf. 1747 wurde der Schulmeister Johann Philipp Hagner inhaftiert, der sich als Kopf des Widerstands profiliert hatte. 1754 wurde die Oberlehensherrschaft (dominium directum) über Neckargartach von Württemberg an Heilbronn um 25 000 Gulden verkauft. Am 9. Mai 1754 schickte der Heilbronner Rat 90 Mann, die mit 60 Mann aus den Kreistruppen unter Hauptmann von Thumb das Dorf einnahmen. Am 28. Oktober 1758 wurden Hagner und andere Neckargartacher zu lebenslanger Haft verurteilt, in der diese auch dann verstorben sind.
Als Heilbronn nach den Revolutionskriegen 1802 seine Reichsfreiheit verlor, wurden seine vormals reichsstädtischen Dörfer, darunter auch Neckargartach, zu selbstständigen Gemeinden innerhalb des neuen Oberamtes Heilbronn. Dem Ort stand ein Schultheiß vor, der die Gerichtsbarkeit ausübte.
Bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts war Neckargartach rein bäuerlich geprägt, es wurde Landwirtschaft und Weinbau betrieben. Bereits 1295 wurde eine Mühle erwähnt, zu Beginn des 14. Jahrhunderts gab es bereits drei Mühlen. Im Jahr 1840 siedelte sich Johann Jakob Widmann im Leinbachtal (heute: Widmannstal) mit seiner Papiermaschinenfabrik an und legte damit den Grundstein für die Industrialisierung Neckargartachs. Weitere größere Betriebe in Neckargartach waren drei Brauereien, eine chemische Fabrik sowie die 1898 gegründete Dampfziegelei, die später mit der Ziegelei Böckingen fusionierte. Auch durch die entstehenden Fabriken im nahen Heilbronn wandelte sich der Ort vom Bauerndorf zur Arbeitersiedlung. Die Einwohnerzahl verdoppelte sich vom Jahr 1800 mit 810 Einwohnern bis zum Jahr 1863 auf 1650, und abermals bis zum Jahr 1900 auf 3224. Die Industrialisierung sorgte bis in die 1860er Jahre für einen gewissen Wohlstand der Gemeinde. Zwischen 1880 und 1910 erlebte das Bürgertum eine Blüte, zwei Schulen wurden errichtet und zahlreiche Vereine wurden gegründet. Von 1894 bis 1907 war Ludwig Konrad Pfau Schultheiß in Neckargartach, er wurde 1907 in Anerkennung seiner Verdienste für Neckargartach zum Ehrenbürger ernannt.
1895 wurde mit dem Neckargartacher Automobil das erste Automobil in Württemberg gebaut. 1897 suchte ein verheerendes Unwetter mit Hagelschlag den Ort heim.
Von 1903 bis 1905 wurde die Neckargartacher Neckarbrücke gebaut, die den Ort mit Heilbronn verband und damals die größte von insgesamt 119 Neckarbrücken war. Die Brücke mit einer Gesamtlänge von 230 Metern überspannte in fünf Bögen den Fluss und wurde am 21. September 1905 eingeweiht. Oberbaurat Schaal, der die Bauleitung hatte, wurde an diesem Tag zum Ehrenbürger ernannt. Die Brücke wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört und danach durch einen Brückenneubau ersetzt.
Auf Schultheiß Pfau folgte Fredrich Wilhelm Binder, der 1914 im Ersten Weltkrieg fiel. Ihm folgte der bisherige Ratsschreiber Jakob Haspel (1886–1965), der den städtischen Ausbau des Ortes in den schweren Jahren des Ersten Weltkriegs und der nachfolgenden Inflation weiter vorantrieb. Haspel förderte den kommunalen und privaten Wohnungsbau, ließ die elektrische Beleuchtung und die Ortskanalisation ausbauen, nahm eine mechanische Kläranlage in Betrieb und setzte sich für die Ansiedlung einer Apotheke ein. Ab 1928 hatte Neckargartach dann auch eine eigene Straßenbahn (mit Depot am Neckarplatz), die an die Straßenbahn Heilbronn angeschlossen war. 1929 wurde Haspel mit 2498 von 2560 abgegebenen Stimmen wiedergewählt. Der Wohlstand der Gemeinde wurde jedoch durch den Unterhalt der sozialen und öffentlichen Einrichtungen sowie die Weltwirtschaftskrise in den 1920er Jahren aufgebraucht. Der verdienstvolle Schultheiß Haspel wurde im Mai 1933 von den Nationalsozialisten aus dem Amt gedrängt und im Juni 1933 beschied ein vom württembergischen Innenministerium beauftragter Staatskommissar, „daß die Gemeinde auf Grund ihrer finanziellen Verhältnisse als selbständige Gemeinde nicht mehr weiterbestehen kann.“

OpenStreetMap

Ort : Geographische Breite: 49.1691954, Geographische Länge: 9.2013502


Geburt

Treffer 1 bis 3 von 3

   Nachname, Taufnamen    Geburt    Personen-Kennung 
1 Hues, Clara  1577Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I230247
2 Pfau, Eva Maria  4 Dez 1756Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I46961
3 Pfau, Johann David  15 Nov 1716Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I252407

Getauft

Treffer 1 bis 1 von 1

   Nachname, Taufnamen    Getauft    Personen-Kennung 
1 Pfau, Johann David  15 Nov 1716Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I252407

Gestorben

Treffer 1 bis 3 von 3

   Nachname, Taufnamen    Gestorben    Personen-Kennung 
1 Damaschke, Ernst  27 Mai 1947Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I77306
2 Pfau, Johann David  29 Mrz 1791Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I252407
3 Siegel, Maria Margaretha  22 Dez 1774Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I252408

Begraben

Treffer 1 bis 1 von 1

   Nachname, Taufnamen    Begraben    Personen-Kennung 
1 Pfau, Johann David  30 Mrz 1791Neckargartach, Kreis Heilbronn, Baden-Württemberg, Deutschland I252407